Anwaltskosten selbst berechnen vor dem Termin beim Rechtsanwalt

Anwaltskosten selbst berechnen vor dem Termin beim Rechtsanwalt

18 August 2014 - 15:00
0 Kommentare
von mc
GG-Berlin / pixelio.de

Ein Rechtsanwalt kann viele verschiedene Leistungen für seinen Mandanten erbringen. Von der einfachen Erstberatung bis zum Scheidungsprozess, in dem auch der Unterhalt für die Kinder geregelt wird, gibt es viele Tätigkeitsfelder, auf denen ein Anwalt unterwegs ist. Damit die Kosten für die erbrachten Leistungen für alle Mandanten transparent bleiben, wurde das RVG eingeführt. Das RVG ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. In diesem Gesetz finden sich Paragraphen und Anhänge mit Tabellen, aus denen die Kosten für jede Leistung des Anwalts abgelesen werden können. Dennoch kann ein Anwalt mit seinem Mandanten auch fast unabhängig von diesem RVG ein Erfolgshonorar vereinbaren. Doch auch dieses Erfolgshonorar ist im RVG festgeschrieben. Honorar-Formen, die das RVG nicht kennt, sind in Deutschland nicht erlaubt. Kosten, die aufgrund der Tätigkeit eines Anwalts entstehen, werden in der Regel nach den so genannten Rahmengebühren des RVG abgerechnet.

Rechtsanwälte stellen normalerweise Erstberatungen, Geschäfts- und Verfahrensgebühr, die Terminsgebühr, eine Pauschale für Post- und Telekommunikationsleistungen, gegebenenfalls weitere Kopierkosten und andere Auslagen sowie die Mehrwertsteuer in Rechnung. Die Grundlage für die Berechnung fast jeder Gebühr ist der so genannte vorläufige Gegenstandswert, der im Urteil oder im Vergleich vor Gericht dann als Streitwert ausgewiesen wird.

Die Gebühren für eine Erstberatung variieren je nach Anwalt, Mandat und Schwierigkeitsgrad des Themas. Nach § 34 RVG sind die Gebühren für die Erstberatung bei Verbrauchern auf 190 Euro gedeckelt worden. Doch auf diese maximale Gebühr werden in der Regel noch Mehrwertsteuern erhoben. Geschäftsleute müssen für eine Erstberatung häufig mehr zahlen. Doch viele Anwälte, die auch am Telefon eine Erstberatung durchführen, stellen weniger als 190 Euro in Rechnung. Die Kosten variieren daher zwischen 10, 50 und in der Tat 190 Euro. Es lohnt sich vorab am Telefon nach den Kosten für eine erste Beratung durch einen Anwalt der Kanzlei zu fragen. Für Mandanten, die mit allen ihren Sorgen und Problemen zu ihrem Anwalt gehen, sind Erstberatungen häufig auch ein Service der Kanzlei. In der Regel aber muss jede Erstberatung bezahlt werden. Schon diese Kosten können später im Rechtsstreit dem Gegner angelastet werden. Sie können in einigen Fällen auch steuerlich geltend gemacht werden.

Je nach Gegenstands- oder Streitwert werden die anderen Gebühren berechnet. Eine Geschäftsgebühr beträgt 1,3 Gebühren nach dem RVG, auch eine Verfahrensgebühr beträgt eine 1,3 Gebühr. Die Verfahrensgebühr wird für eine gerichtliche Tätigkeit im Gegensatz zur außergerichtlichen Tätigkeit in Rechnung gestellt. Die Terminsgebühr wird bei einem Auftritt vor Gericht fällig, sie beträgt eine 1,2 Gebühr. Die Mehrwertsteuer richtet sich nach dem für Dienstleistungen gültigen Steuersatz von derzeit 19 %. Als Post- und Kommunikationspauschale werden in der Regel 20 Euro in Rechnung gestellt. Müssen allerdings im Rahmen des Mandats Akten angefordert werden, so werden diese Gebühren auch auf dem Mandanten übergewälzt. Viele Kanzleien stellen auch alle Kopien ab einer Anzahl von 50 mit in die Kostenrechnung nach Abwicklung des Mandates ein.

Ist ein Streitwert von 1000 Euro gegeben, so beträgt die Geschäftsgebühr nach VV Nr. 2300 RVG oder die Verfahrensgebühr nach VV NR. 3100 RVG 110,50 Euro, die Terminsgebühr nach VV Nr. 3104 RVG nur 102 Euro.

Für ein einfaches Schreiben werden in der Regel vom Anwalt normalerweise nur 0,3 Gebühren nach VV Nr. 2301 RVG abgerechnet, wenn er sich in einen Fall nicht einarbeiten muss oder die Sachlage sehr einfach ist. Daher sind Abmahnungen, Kündigungen und Anfragen solange relativ günstig, solange es nicht zur Korrespondenz mit dem Gegner kommt. Die Grenze zwischen einem einfachen Schreiben und einem Geschäftsvorgang, für den die Geschäftsgebühr fällig wird, sind fließend. Daher ist eine Abmahnung kein einfaches Schreiben - ein Anwalt kann für eine Abmahnung eine Geschäftsgebühr in 1,3-facher Höhe aus einem Monatsgehalt abrechnen. Für eine Kündigung berechnet ein Anwalt diese Gebühr aus dem dreifachen Monatsgehalt. Die Gegenstandswerte finden sich nicht im RVG, sondern in der ZPO-Kommentarliteratur und zum Teil im Richterrecht.

Auch ein Widerspruch im Verwaltungsrecht oder ein Einspruch im Strafrecht werden nach dem RVG abgerechnet. Der so genannten Auffangstreitwert im Verwaltungsrecht liegt zwischen 1000 und 5000 Euro.
In Strafverfahren wird nach VV Nr. 4100 RVG eine Grundgebühr neben der Verfahrensgebühr nach VV Nr. 4104 RVG und der Pauschale berechnet. Diese sind Rahmengebühren mit einem Mittelwert von 160 und 132 Euro, sie fallen im Ermittlungs- und im gerichtlichen Verfahren gesondert an. Für das Bußgeldverfahren gelten ähnliche Werte gestaffelt nach Höhe des Bußgeldes.
Alle Gebühren können auch je nach Instanz vor den verschiedenen Gerichten variieren.

Bewertung: 
Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

JuraRat Newsletter

Erhalten Sie 1x monatlich unsere kostenlosen Rechtstipps!

Nicht gefunden, was Sie gesucht haben? Hier auf JuraRat kostenlos und schnell Frage stellen!