11.000 Euro für zwei Stunden Beratung

Gespeichert von ChristianG am 19. März 2017 - 19:45

Meine Schwiegereltern wollten sich bzgl. des Übertrags ihres Hauses auf ihre beiden Töchter beraten lassen. Um einen kompetenten Ansprechpartner zu finden, haben sie sich auf die Empfehlung des Eigentümerverbandes Haus & Grund - in dem sie schon seit vielen Jahren Mitglied sind - verlassen. Nach zwei Terminen bei diesem Anwalt haben Sie festgestellt, dass der Übertrag sehr teuer wäre und momentan nicht finanzierbar ist. Der Anwalt war einverstanden, den Vorgang an dieser Stelle abzubrechen. Für die Beratung wurden mit einem Stundenlohn von 285 Euro zwei Rechnungen über fast 1500 Euro ausgestellt, welche auch sofort beglichen wurden.

Danach kamen zwei weitere Rechnungen. Für die abgebrochenen Vorgänge wurden auf Grundlage eines geschätzten Vermögenswertes eine Kostenpauschale von fast 5700 Euro (für die Hausübertragung) und fast 4100 Euro (für einen Testamentsentwurf) in Rechnung gestellt. Aufgrund des Vorvertrages ist der Anwalt dazu wohl berechtigt. Es wurde auf den Rechnungen vermerkt, dass dies von seiner Seite ein Entgegenkommen ist und er eigentlich mehr verlangen könnte.

In der Zwischenzeit haben wir erfahren, dass dieser Anwalt im Aufsichtsrat von Haus & Grund ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Einen über 70jährigen Rentner, der Jahrzehnte lang sein Geld im Handwerk verdient hat, mag ein Stundenlohn von 285 Euro schon erschrecken. Die Unverfrorenheit, für letztendlich zwei Stunden Beratung (plus Ausarbeitung) insgesamt über 11.200 Euro in Rechnung zu stellen, erschreckt auch mich. Beim ersten Termin hatten meine Schwiegereltern von diesem Anwalt mündlich als Gesamtkosten 2500 Euro genannt bekommen.

Die Tatsache, dass dies rechtlich legitim ist, macht das Ganze umso schlimmer. Unbedarften Laien bei einer Beratung einen derartigen Vertrag unterzuschieben ist für mich eine arglistige Täuschung.

Muss man da als Normalbürger wirklich hilflos danebenstehen?

 

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